13.08.2026
Der Wohnungsmangel verschärft sich und die Mieten steigen weiter
Das Bundesamt für Statistik hat heute die Leerwohnungszählung 2026 veröffentlicht. Die Leerwohnungsziffer liegt bei 0,93% Prozent. Es fehlen weiterhin Wohnungen, die sich Mieterinnen und Mieter mit einem normalen Einkommen leisten können. Viele Vermietende nutzen die Notlage der Mietenden aus, verlangen missbräuchlich hohe Mieten und missachten die gesetzlichen Renditebegrenzungen. Gleichzeitig werden viele neue Wohnungen zu Preisen angeboten, die für normale Haushalte unerschwinglich sind. Die Belastung der Mieterhaushalte hat die Grenze des Tragbaren längst überschritten.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Leerwohnungsziffer von 1,00 auf 0,93 Prozent gesunken. Am 1. Juni 2026 standen in der Schweiz insgesamt 45'493 Wohnungen leer, davon 34'690 Mietwohnungen. Von der Wohnungsnot betroffen sind längst nicht mehr nur die Zentren, sondern auch zahlreiche Agglomerationsgemeinden und Tourismusregionen. Die Leerwohnungsziffer sagt zudem nichts darüber aus, ob die verfügbaren Wohnungen für die Bevölkerung bezahlbar sind. Genau daran fehlt es: an Wohnungen für Menschen mit tiefen und mittleren Einkommen.
Mehr bauen allein reicht nicht
Mehr Wohnungsbau führt nicht automatisch zu bezahlbaren Mieten. Das zeigt die Entwicklung von 2016 bis 2020: In diesem Zeitraum stieg die Leerwohnungsziffer von 1,30 auf 1,72 Prozent – damals der höchste Wert seit zwanzig Jahren. Am 1. Juni 2020 standen 78'832 Wohnungen leer. Gleichzeitig stieg der schweizerische Mietpreisindex um rund 3,4 Prozent. Dies, obwohl der Referenzzinssatz von 1,75 auf 1,25 Prozent sank und viele Mieten deshalb hätten sinken müssen.
Gebaut werden zu teure Wohnungen
Ein zentrales Problem: Gebaut wird mehrheitlich im Hochpreissegment, anstatt bezahlbare Wohnungen zu erstellen. Zahlen des Lausanner Unternehmens Lookmove für das Jahr 2025 zeigen in mehr als hundert Schweizer Gemeinden grosse Unterschiede zwischen den Angebotsmieten in bestehenden Gebäuden und Neubauten.[1]
Gleichzeitig verschwindet günstiger Wohnraum zunehmend aus dem Angebot. Gemäss einer Auswertung von Wüest Partner hat sich das Angebot an günstigen Mietwohnungen innerhalb von drei Jahren halbiert, während das Angebot im oberen Preissegment zugenommen hat [2]. Es werden also durchaus Wohnungen gebaut. Aber zu selten solche, die sich die breite Bevölkerung leisten kann.
Institutionelle Investoren treiben die Preise in die Höhe
Parallel zur Mietpreisexplosion hat sich die Eigentümerstruktur der Mietwohnungen stark verändert. Zwischen 2000 und 2023 stieg der Anteil institutioneller Eigentümerschaften wie Pensionskassen, Versicherungen und Immobiliengesellschaften von rund 31 auf 44 Prozent. Damit verdrängen sie gemeinnützige Wohnbauträger sowie private Eigentümerinnen und Eigentümer vom Markt. Ein wachsender Teil des Mietwohnungsbestands wird von professionellen und renditeorientierten Akteuren bewirtschaftet. Immer mehr Anlagekapital sucht auf dem Schweizer Immobilienmarkt nach Rendite. Das erhöht den Druck auf die Preise für Immobilien und in der Folge auch auf die Mieten.
Der MVS fordert deshalb eine Abkehr von renditegetriebenen Marktmieten. Nötig sind eine konsequente Durchsetzung des gesetzlichen Prinzips der Kostenmiete durch eine regelmässige und automatische Überprüfung der Mietzinse, wie sie die Mietpreis-Initiative verlangt, sowie ein deutlicher Ausbau des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Nur so entstehen genügend Wohnungen, die sich die Menschen auch leisten können.
[1] Lookmove SA, Lausanne: “Swiss residential market prices in 2025 – Rent and Sale”.
[2] Wüest Partner Immo-Monitoring 2024/2.