Johannes Eisenhut
04.06.2018
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Zürich  | 
Abstimmungen

«‘Made in Zürich’ ist cool!»

Auf dem Koch-Areal soll ein Gewerbehaus mit preiswerten Mietzinsen entstehen. Für Handwerker und KMUs stellt das geplante Produktions-Cluster eine einmalige Chance dar.

Wohnformen der Zukunft wie Cluster-Wohnen werden gehypt. Aber wie steht es um das Gewerbe? Ein spannendes Konzept ist auf dem neuen Koch-Areal vorgesehen.

Stimmt die Bevölkerung den Plänen der Stadt bei der Abstimmung vom 10. Juni zu, entsteht neben Genossenschaftswohnungen ein grosses, mehrgeschossiges Gewerbehaus mit preisgünstigem Raum. Hier sollen Handwerk, digitale Produktion und Design stattfinden. Ein solcher Bau dürfte einmalig sein in der Stadt, betont Johannes Eisenhut von der Firma Senn.

Zürich leidet an einem Überschuss an Büroräumen, doch geeignete Gewerberäume fehlen. Das Gewerbe verabschiedet sich aus der Stadt. Die Stadt will daher «urbane Produktion» fördern. Dabei könnte das Koch-Areal zum Leuchtturm werden.

Die Idee für das Gewerbehaus stamme von der Stadt, sagt Johannes Eisenhut. «Wir von der Firma Senn haben die Glaubwürdigkeit, diese umzusetzen.» Referenzen des St. Galler Immobilientwicklers Senn sind etwa der Kreativen-Gewerbebau NOERD in Zürich-Oerlikon und das Areal Zwicky Süd in Wallisellen, eine Kooperation mit Kraftwerk1. Beide Partner wollten gern zusammen neue Projekte in Angriff nehmen. Das Koch-Areal bot die Gelegenheit.

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Das Areal Zwicky-Süd in Wallisellen wurde von Johannes Eisenhut von der Firma Senn in Zusammenarbeit mit der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk 1 entwickelt.
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Auch das NOERD, das «Gewerbehaus der Kreativen» in Zürich Oerlikon, ist ein Referenzprojekt von Johannes Eisenhut.

Stätte für urbane Produktion

Das Gesamtkonzept für das Areal ist eine Koproduktion der Wohngenossenschaften ABZ und Kraftwerk1 mit Senn. Sie haben sich im Wettbewerb der Stadt durchgesetzt. Senn wird – sofern das Stimmvolk das städtische Projekt annimmt – als Baurechtsträger das Gewerbehaus umsetzen, in enger Zusammenarbeit mit den Genossenschaften und der Stadt. Johannes Eisenhut, ein wortgewandter Mittvierziger mit Vergangenheit in der Kreativwirtschaft, hat klare Vorstellungen vom Projekt. Rund um die F+F Schule für Kunst und Design und den Zirkus Chnopf, die beide schon auf dem Gelände ansässig sind, möchte er eine «Stätte für urbane Produktion(en)» aufbauen. Konkreter: eine Art Medien-Technologie-Design-Handwerk-Zirkus-Cluster. Der Zirkus und F+F geben die Grundstimmung vor, dazu passen würden etwa Drucker, Möbelschreiner, Messebauer, Designer, digitale Produktion, von 3D-Druck über Film bis Coding. Eisenhut hat sein Netzwerk spielen lassen, diverse Firmen sollen interessiert sein, aufs Koch-Areal zu ziehen. Willkommen sind grundsätzlich Gewerbetreibende aus verschiedensten Branchen. Ein Teil der Flächen soll eine Gewerbegenossenschaft übernehmen, die langfristig günstige Mieten garantiert.

Der geplante Quadratmeter-Mietpreis von rund 200 Franken ist sehr fair – lediglich etwa die Hälfte eines Büromietpreises. Zu solchen Preisen kommt man laut Eisenhut mit einer Mischung aus klaren Zielvorgaben und Verzicht auf Schnickschnack. Wichtig sei auch ein nicht profitorientierter Grundeigentümer. Der Baurechtszins, den Senn der Stadt entrichte, sei anständig. «Natürlich hat die Stadt aber nicht das Maximum herauszuholen versucht.»

 

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Der Zirkus Chnopf und der Zirkus Robinson setzen sich mit einer «zirzensichen Kundgebung und Flyeraktion» für ein lebendiges Koch-Areal ein.

Zusammenarbeit zwischen Genossenschaften und Privatfirma

Zweck des Gewerbehaus ist es auch, die Produktion aus der Agglomeration zurück zu holen. Vermehrt vor Ort zu produzieren, gehört für Eisenhut zur Stadt der Zukunft. Einen Markt für lokal hergestellte Waren gebe es durchaus. «Viele Leute finden ‘made in Zürich’ cool!», sagt er schmunzelnd. Man müsse ein wenig ein Spinner sein, um in der Stadt zu produzieren. Solche Leute gebe es genug. Zudem erleichterten Digitalisierung und Roboterisierung die urbane Produktion.

Im Koch-Areal, auch ein Experimentierfeld, wolle er die «vertikale Organisation ausprobieren». In der Stadt müsse man in die Höhe denken. Produzierende Betriebe könnten verschiedene Arbeitsschritte auf verschiedenen Etagen anordnen. Für die Ausnützung der Höhe und überhohe Räume spreche auch, dass die urbane Fläche limitiert und teuer sei.

Interessant am Projekt Koch-Areal ist nicht zuletzt, dass hier gemeinnützige Genossenschaften und ein «normaler» Immobilienentwickler zusammenarbeiten. Johannes Eisenhut, der früher Snowboardprofi und Werber war, erlebt die Kooperation als extrem befruchtend. Senn sei an interessanten Konstellationen interessiert, das Koch-Areal sei das zurzeit wohl spannendste. Dieses werde funktionieren, ist er überzeugt, denn Kraftwerk1 und der Zirkus Chnopf «werden Leben in die Bude bringen».

Das neue Koch-Areal mit Park, Einkaufsmöglichkeiten, Veranstaltungs- und Gemeinschaftsräumen kann das Quartier bereichern und zum neuen Zentrum zwischen Albisrieden und Altstetten werden. Und zum Ort, der Leben und Arbeiten prototypisch kombiniert. Voraussetzung dafür ist, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zum Vorschlag der Stadt Ja sagen und gleichzeitig die FDP-Initiative ablehnen. Sonst droht der Bau neuer Bürotürme, mit dem Ziel der Profitmaximierung privater Bauherren.

«NEIN» zum Ausverkauf von Stadtzürcher Boden an die Immobilien-Spekulanten!

Am 10. Juni 2018 stimmen wir in der Stadt Zürich «NEIN» zur Vorlage 3 der FDP-Volksinitiative!

«JA» zum gemeinnutzigen Wohnungsbau auf dem Koch-Areal im Baurecht der Stadt!

Am 10. Juni 2018 stimmen wir in der Stadt Zürich «JA» zur Vorlage 2 der Stadt!