
In ihrer am 12. Juli veröffentlichten Streitschrift (Wanderung, Wohnen und Wohlstand) sagt der neoliberale ThinkTank Avenir Suisse, dass die Mietpreise den Wohnungsmarkt regeln würden, wenn es nicht so viele Gesetze gäbe. Was Realität ist, wenn man das Ganze nicht vom ökonomischen Elfenbeinturm aus betrachtet, zeigt das nachfolgende Beispiel.
Im Oktober 2009 haben die Bewohner/-innen der Liegenschaft Feldstrasse 60 im Stadtzürcher Boom-Quartier Aussersihl die Kündigung wegen Totalsanierung bekommen. Die Anstrengungen der Bewohner/-innen, die Besitzer/-innen zu einer sanften Renovation der Liegenschaft zu bewegen, führten nicht zum Ziel. Die Eigentümer, die selbst im Haus aufgewachsen sind, beharrten auf Leerkündigung und Totalsanierung. Den Bewohner/-innen wurde jedoch ein Vorrecht auf Wiedereinzug nach der Renovation zugesichert.
Von diesem Vorrecht auf Wiedereinzug nach der Sanierung hätte die Mieterin, die den MV informiert hat, gerne Gebrauch gemacht. Sie hat 14 Jahre im Kreis 4 gewohnt und wäre gerne in ihrem Quartier geblieben, weil es so ein lebendiges Quartier sei. Da die Liegenschaft nicht mehr im besten Zustand gewesen sei, hätte sie auch mit einem grösseren Mietzinsaufschlag gerechnet. Aber was jetzt auf Homegate ausgeschrieben sei, übersteige definitiv ihr Budget. Ihre 3.5 Zimmer Wohnung, für die sie 1'700 Franken bezahlt habe, ist nun - mit 5 m2 weniger, dafür mit Lift - für 3'800 Franken ausgeschrieben. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Renovation der Wohnung 500'000 Franken gekostet hat, so liegt die Rendite bei einem Mehrzins von 2100 Franken bei über 5 Prozent. Wenn – was anzunehmen ist - zwei Drittel der Investitionen mit billigen Hypotheken finanziert worden sind, explodiert die Rendite auf dem investierten Eigenkapital auf flotte 10 Prozent.
Für die Betroffenen sind die Thesen von Avenir Suisse ein Hohn. Das Vorrecht auf Wiedereinzug, dass das einzige war, was die alten Mieter/-innen wegen dem zahnlosen Mietrecht erreicht haben, hat sich als blosse Floskel herausgestellt. Wer hier wieder einzieht hat ein anderes Budget als die ehemaligen Mieter/-innen der Feldstrasse 60. Gesetz und Markt sichern nicht Durchmischung und Lebendigkeit, sondern exorbitante Renditen.
Womit auch die Frage beantwortet wäre, für wen der Markt die Mietpreise lenkt.
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