
MV Kanton
Basel-Land
Mieterinnen und Mieter aus der Längi wehrten sich erfolgreich
Die Renovation der rund hundert Wohnungen an der Wyhlenstrasse 10 bis 22 im Pratteler Längi Quartier muss als missglückt bezeichnet werden. Vierzig Jahre lang wurde an den Wohnblöcken nichts gemacht, ausser Miete kassiert. Die Zürich Versicherung veranlasste eine Erneuerung und investierte 10,4 Mio. Franken in eine sogenannt "umfassende Sanierung". Doch so umfassend war diese Modernisierung gar nicht. Es gab zwar neue Fenster und Rollläden sowie Küchen und Bäder. Auch wurden die Lifte modernisiert und das Flachdach saniert. Doch die Fassade blieb dieselbe. Als durchdachte energetische Sanierung kann das Projekt wohl kaum bezeichnet werden. So erzählten mehre Mietparteien an einer vom MV einberufenen Versammlung, dass sie zwar neue Fenster erhielten, die darüber liegenden Storenkästen aber nach wie vor undicht seien.
Von diesen gut 10 Mio. Franken wollte die Zürich den Mieterinnen und Mietern 65% in Rechnung stellen, was zu einer Erhöhung von satten 5 Fr. 40 pro Quadratmeter Wohnfläche führte. Zwar beträgt die Spanne des Anteils der zulässigen Überwälzung der Mehrleistungen bei umfassenden Sanierungen 50 bis 70% der geleisteten Investitionen. Doch bei diesem Umbau entspricht ein grosser Teil dem normalen Unterhalt , der während vielen Jahren vernachlässigt wurde. Und Unterhaltsarbeiten sind ja bekanntlich bereits mit dem Mietzins bezahlt.
Obwohl die alten Investitionen 40 Jahre hielten, geht die Zürich zudem von einer Lebensdauer von lediglich 20 Jahren aus. Die Amortisationsdauer bei umfassenden Sanierungen liegt gemäss Gerichtspraxis aber deutlich höher. Die 25 Mietparteien durften sich sich also gute Chancen für einen geringeren Mietanstieg ausrechnen.
Die Schlichtungsstelle teilte die Einschätzungen des Mieteanwaltes und betrachtete den Wertvermehrendens Anteil ebenfalls als zu hoch eingesetzt. In ihrem Vorschlag, der inzwischen rechtskräftig geworden ist, legte sie die Erhöhung deshalb mit Fr. 4.06 fest. Wer also eine Wohnung von 80 m2 hat muss statt der ursprünglich verlangten 435 Franken neu noch 324 Franken mehr bezahlen.
Ob dies dem Prattler Sozialvorsteher Uwe Klein (CVP) passt, ist nicht sicher. Er hoffte, dass durch Sanierungen und damit teureren Wohnungen Sozialhilfeempfänger vertrieben werden und der Gemeinde weniger Kosten entstehen, wie er vor zwei Jahren bekannt gab. Doch solche Vorurteile sind nicht angebracht: Die Längi ist kein "Sozialhilfe-Magnet", sondern ein Ort, wo Menschen wohnen, die auch als weniger gutgestellte Mieterinnen und Mieter Anrecht auf eine faire Behandlung haben.
>> Bericht in der Basler Zeitung vom 10. Juni 2009 (pdf)
Mieterinnen- und Mieterverband Baselland und Dorneck-Thierstein |